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Herbert Stadler: Professioneller Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern – Von den Ursachen über Strategien zur Kompetenz

 

Das Team des LSZBS will im Schuljahr 2014/15 als besonderen Schwerpunkt das Thema "Verhaltensschwierigkeit" in den Mittelpunkt rücken. Daher fand am 24. 09. 2014 der erste Teil einer schulinternen Lehrerfortbildung (=SCHILF) zu dieser Thematik statt.

Als Referenten konnten wir Herrn Herbert Stadler (u.a.: Buchautor, Lehrer an der Sondererziehungsschule Biedermannsdorf, Arbeit mit 13- 15jährigen Schulverweigerern am SPZ Wien 11) gewinnen:

Nach kurzen Angaben zu seiner persönlichen Biographie und Berufslaufbahn: „Ich bin seit 2 Jahren im "UNRuheZUstand“ fesselt Herr Stadler das Kollegium (20 Lehrer/innen und 7 Schulassistentinnen des LSZBS) in einem packenden Vortrag:

 

„Die primäre Frage im Umgang mit sozial und emotional benachteiligten Schülern lautet immer: Wie können wir sie verstehen? Erst danach kommt die Frage nach dem Tun.“ Auf dieses „Verstehen“ geht der Referent lange und mit eindrucksvollen Beispielen aus seiner langjährigen Praxis treffend ein.

 

Anschließend geht es um den Beziehungsaufbau: Dieser gliedert sich in die Bereiche:

1) Annahme: Diese steht am Anfang der Begegnung und fordert eine wesentliche Tugend: Den Schüler auszuhalten.

2) Atmosphäre: Nur wer selbst akzeptiert wird kann andere und anderes akzeptieren und umgekehrt. Wir müssen zu den heftigen Reaktionen der Schüler Distanz bekommen, die es ermöglicht, prekäre Situationen zu beruhigen.

3) Beziehungsarbeit: Wenn Lehren und Lernen effektiv funktionieren sollen, muss eine Brücke zwischen Lehrendem und Lernendem bestehen. Sie ist wichtiger als das, was der Lehrer lehrt und wie er den Stoff vermittelt. (vgl Gordon, 1977) Das Arbeiten mit Verhaltensschwierigen ist permanente Erziehungsarbeit.

 

Auch in diesem Teil des Vortrags fesselt Herr Stadler sowohl mit ausgezeichneten Zitaten aus der Fachliteratur, aber auch mit Beispielen aus der beruflichen und privaten Erfahrung. Besonders widmet er sich gegen Ende des Vortrags dem „Lob“ und seinen positiven Auswirkungen auf die Beziehungsarbeit.

 

Nach der Veranstaltung verkauft und signiert Herbert Stadler sein Buch „Verhaltensauffälligkeit und Lehrerkompetenz“.

 

Im zweiten Teil der Veranstaltung am 28. 01. 2015 geht es vor allem um die Bedürfnishierarchie nach Maslow und die Frage: „Warum (verhaltens/lern-)schwierige Kinder nicht können können?“

 

Die Bedürfnisse jedes Menschen gliedern sich in 5 Ebenen: Aufsteigend sind das:

 

5) Selbstverwirklichung

4) Leistungsvermögen

3) Soziale Beziehungen

2) Sicherheit

1) Das biologische Überleben

 

Sind die 3 unteren Ebenen nicht gesichert, so können Ebene 4 und 5 nicht erreicht werden. Kinder mit Defiziten in den unteren Ebenen müssen permanent kompensieren: Oft geschieht dies so, dass negative Beachtung besser ist als keine.

Die wesentliche Frage muss also lauten: WO/WIE/WANN kann man schwierigen Kindern Aufmerksamkeit bieten, damit diese anders reagieren können?

 

In der letzten Einheit füllen die Teilnehmer/innen Fragebögen zu Konflikttoleranz, Führungsstil und Lehrerpersönlichkeit aus, die jeder für sich auswerten kann, und die eine sehr individuelle Reflexion zum eigenen Lehrverhalten darstellen.

 

Summa summarum: Eine tolle Veranstaltung!